Für dieses Interview spreche ich mit Marc Däumler, Inhaber von excognito. Die Agentur gehört zu den erfahrenen PR-Agenturen im Medizinbereich und unterstützt Ärztinnen, Ärzte, Kliniken und Unternehmen dabei, fachliche Expertise sichtbar, verständlich und glaubwürdig in die Öffentlichkeit zu bringen.
Marc ist Senior-PR-Berater mit 25 Jahren Erfahrung. Seine Kunden schätzen ihn nicht nur für sein fachliches Know-how, sondern auch als strategischen Sparringspartner, klugen Kopf und Speaker.
Für Finke Praxismarketing ist excognito ein wichtiger Partner im Netzwerk. Wir arbeiten dort zusammen, wo sich unsere Stärken sinnvoll ergänzen: excognito unterstützt uns bei Pressearbeit und PR, während wir excognito bei digitalen Marketingthemen begleiten.
Im Interview sprechen wir darüber, warum PR im Medizinbereich weit mehr ist als klassische Pressearbeit, welche Chancen sich für Praxen und medizinische Anbieter ergeben und warum gute Kommunikation gerade im sensiblen Gesundheitsbereich so entscheidend ist.
Christian:
Hallo Marc, Du bist PR-Berater. Jeder kennt den Begriff, aber keiner weiß so recht, was ein PR-Berater eigentlich macht.
Marc:
Das stimmt. Da der Begriff „PR-Berater“ nicht geschützt ist, kann sich leider jede und jeder so nennen, auch ohne Erfahrung oder Ausbildung. Und die Aufgabenbreite der PR-Beratung ist wirklich enorm.
Christian:
Ok, aber was macht denn nun ein PR-Berater wie Du für Arztpraxen?
Marc:
Auf den Punkt gesagt: Ich kümmere mich um das positive und gewünschte Image und die stärkere Bekanntheit der Arztpraxen, aber dies nicht mit Anzeigen oder Werbung.
Christian:
Sondern?
Marc:
Zum Beispiel mit Pressearbeit.
Christian:
Ist Pressearbeit nicht etwas für Privatkliniken mit bundesweitem Patientenpotenzial und weniger etwas für eine Arztpraxis?
Marc:
Das höre ich oft. Nein. Es geht ja nicht darum, einfach Bekanntheit zu steigern, dafür braucht man keine PR-Agentur. Wir wollen die Bekanntheit und das Image im Segment steigern, wo die Ärztin oder der Arzt mehr Patienten möchte, also für bestimmte Behandlungen, Eingriffe oder Krankheitsbilder. Und wer bekannt ist durch TV- oder Printberichte als Experte, hat nun mal größere Chancen ausgewählt zu werden, als jemand, die oder der unbekannt ist. Schau Christian, wem schenkst Du mehr Seriosität und Glaubwürdigkeit: Einer Werbeanzeige, in der steht, wie kompetent ein Arzt ist oder wie toll sein neues Behandlungsverfahren ist – oder einem redaktionellen Bericht, in dem eine Redakteurin einen Arzt interviewt als Experten, und dazu ein neues Verfahren vorstellt?
Christian:
Klar, das eine ist eben Werbung und das andere ist ein redaktioneller Artikel, dem ich natürlich eher vertraue.
Marc:
Und genau das ist meine Aufgabe bei der Pressearbeit: Meine Kunden und Kundinnen redaktionell ins TV oder in die Tageszeitung oder in Zeitschriften oder ins Radio zu bringen. Ohne Werbung.
Christian:
Wahrscheinlich denken nun viele LeserInnen, da entstehen enorme Kosten, zum Beispiel bei einem TV-Beitrag.
Marc:
Du triffst genau den Punkt. Die Arztpraxis zahlt nichts dafür, auch wenn ein großer Beitrag in einer Zeitschrift oder im TV ruckzuck bei einer viertel Million € im Wert liegen könnte als Werbespot oder Anzeige, aber wir sprechen ja von Pressearbeit. Das einzige Geld, das fließt, ist eine Beraterpauschale für die PR-Agentur, die das alles realisiert, und diese Kosten liegen im 4-stelligen monatlichen Bereich, je nach Aufgabe.
Christian:
Aber warum soll zum Beispiel eine Arztpraxis in Gelsenkirchen in der Münchener Tageszeitung erscheinen? Davon hat doch die Praxis nichts.
Marc:
Absolut richtig. Und das machen wir auch nicht. Für die Arztpraxis sind nur Medien relevant, die dort gelesen, gehört oder gesehen werden, wo auch die Zielgruppe ist. In dem Fall in und um Gelsenkirchen. Und nun muss man strategisch denken. TV-Beiträge oder eine Gesundheitszeitschrift erscheinen natürlich bundesweit, aber auch in Gelsenkirchen, wo die Praxis arbeitet, und dort wird der Beitrag auch gelesen oder empfangen, und da ist die Zielgruppe. Und selbstverständlich interessieren uns auch die rein lokalen Medien wie Wochenblätter, die aber brauchen andere Themen und Informationen.
Christian:
Genau das ist nun meine Frage. Mit welchen Themen gelingt es denn, eine Ärztin oder einen Arzt mit Praxis redaktionell in den Medien mit Expertenstatus zu positionieren?
Marc:
Eigentlich ist es ganz einfach. Nehmen wir das Thema Krebsfrüherkennung. Das Thema erscheint ständig, und immer mit Experten dazu im Interview. Gut, wenn ein Melanom oder ein Darmkrebs frühzeitig entdeckt wird, im Idealfall von den betroffenen Personen selbst. Diese Menschen brauchen also Tipps, auf welche Symptome zu achten ist. Und diese Tipps gibt ein Experte, zum Beispiel ein Arzt mit Spezialisierung wie Gastroenterologie oder Dermatologie oder Urologie oder anderes, je nachdem. Sonne, Sommer und Inselurlaub? Da ist der Sonnenbrand nicht weit, und die beiden Fragen lauten für die Urlauber: Wie kann ich den Sonnenbrand verhindern und dennoch braun werden, und was ist zu tun, wenn er dann doch da ist? Das kann ein Dermatologe bestens darstellen für die Redaktion.
Christian:
Gibt es noch mehr Wege in die Medien?
Marc:
Gute Frage. Klar. Wir nennen es Guerilla-PR, es wird auch Trittbrett-PR genannt. Ein simples Beispiel: Ein Promi bricht sich den Knöchel, zum Beispiel beim Skifahren, und es steht in den Medien. Nun brauchen die Redaktionen, die darüber berichten, einen Experten, der erklärt, was ein Knochenbruch ist, was als Betroffener zuerst selbst zu tun ist und wie der grundsätzlich behandelt wird. Hier gilt: Der schnellsten Praxis bekommt das Interview.
Christian:
Aber es ist doch unrealistisch, dass die Ärzte ständig die Medien verfolgen, um zu erahnen, wo man nun einen Experten wie sie selbst braucht.
Marc:
Ja, stimmt, und genau deshalb gibt es PR-Agentur wie mich, die genau das machen: Schauen, wo ergibt sich wieder eine Möglichkeit, die Ärztin oder den Arzt als Experten zu platzieren. Das ist Agenturjob.
Christian:
Ah, verstehe. Aber was ist, wenn nichts dergleichen an passenden Möglichkeiten passiert?
Marc:
Gute Frage. Was immer gut läuft bei Redaktionen sind Patientenratgeber, am besten mit einem Patientenfall dazu. Das kann ein neues Gerät oder Verfahren sein, das die Ärztin oder Arzt vorstellt, inkl. einem Patienten dazu, der ebenfalls interviewt wird. Oder es gibt einen Patientenfall, der besonders, ungewöhnlich oder aktuell einfach passt. Dann interessiert das auch die Medien. Und all das macht für die Medien nur Sinn, wenn ein Arzt oder eine Ärztin das erklärt. Und dann haben wir das, was wir wollen. Die Ärztinnen und Ärzte erscheinen redaktionell im Interview mit Expertenstatus.
Christian:
Das habe ich alles verstanden, aber eine Frage drängt sich schon auf. Wem schreibt man dann bei der TV- oder Zeitschriften- Redaktion die Mail, oder wo ruft man an?
Marc:
Das wird leider ohne einen bestehenden Kontakt zu einer Redaktion nicht ohne externe Hilfe gehen.
Christian:
Jetzt kommst Du quasi wieder ins Spiel
Marc:
Du sagst es. Die Kontakte zu den Redakteuren, also nicht einfach zu einer Redaktion, sondern direkt zu einer Redakteurin oder einem Redakteur, ist das Kapital einer PR-Agentur. Wir wissen mit unserem über 25 Jahre aufgebauten Presseverteiler, wer wo welche Themen behandelt und behandelte, und wie sie oder er die Informationen benötigt. Deshalb bekommen unterschiedliche Redaktionen auch immer unterschiedliche Informationen, immer individuell passend. Was soll beispielsweise ein Radiosender mit einem Foto oder eine Patientenstory ohne Fotos?
Christian:
Werdet Ihr denn auch von Redakteuren angesprochen, also aktiv unaufgefordert nach der Suche nach einem Experten?
Marc:
Ja und nein. Wir werden regelmäßig angesprochen, aber selten ist es die Suche nach einem Experten oder einer Expertin. Vielmehr geht es dann um ungewöhnliche Spezialisierungen, wo man am besten auch gleich einen Patientenfall dazu hätte.
Christian:
Hast Du mal ein Beispiel.
Marc:
Wenn eine Redaktion über Skoliose berichten will, dann ist es nicht so leicht, genau dafür eine Expertin oder einen Experten zu bekommen, die oder der dann auch mit Patientenfällen aufwarten kann. Oder ein neuer Virus verunsichert die Menschen, und man braucht jemanden, der genau dazu was sagen kann – und zwar sofort. Medienarbeit ist ein schnelles Geschäft. Dann rufen die uns an mit der Bitte und Möglichkeit, eben unsere Kunden, wenn es denn inhaltlich passt, einzubringen für Interviews. Die Redaktionen arbeiten unter großen Zeitdruck, die wollen Ansprechpartner, die ebenso vom Fach sind und zum Beispiel wissen, welche Eigenschaften ein geeignetes Pressefoto oder ein Patientenfall haben muss. Und das geht mit Agenturen schneller.
Christian:
Allerletzte Frage: Wenn der Beruf PR-Berater nicht geschützt ist, woran erkenne ich denn eine geeignete PR-Beraterin oder einen PR-Berater mit der gesuchten Expertise?
Marc:
Nichts geht über Erfahrung, wie überall. Wer erfolgreich arbeitet, hat Referenzen von Ansprechpartnern auf Kundenseite wie auch zahlreiche Beispiele bisheriger Pressearbeit. Und am Ende zählt das, was auch bei Deinen Kunden wichtig ist.
Christian:
Die Chemie muss stimmen, wie auch bei mir im Job.
Marc:
Genau, das Bauchgefühl.
Christian:
Vielen Dank, Marc, das war sehr spannend.
Kontaktdaten
Marc Däumler
PR-Berater
marc.daeumler@excognito.de
Tel.: 030 8871020