Viele Zahnärzte verlassen sich bei ihrer Ruhestandsplanung vor allem auf ihr Versorgungswerk. Schließlich fließen dort über Jahrzehnte erhebliche Beiträge hinein und die späteren Rentenansprüche erscheinen auf den ersten Blick oft solide.
Doch immer mehr Zahnärzte stellen sich die Frage: Reicht das tatsächlich aus, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand dauerhaft zu sichern?
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Viele Zahnärzte erzielen während ihres Berufslebens Einkommen, die deutlich über den späteren Rentenleistungen liegen. Dadurch entsteht häufig eine Versorgungslücke zwischen dem gewohnten Lebensstandard während der aktiven Berufsausübung und den verfügbaren Einkünften im Ruhestand – gerade auch bei angestellten Zahnärzten.
Warum es sinnvoll sein kann, die Altersvorsorge auf mehrere Säulen zu verteilen und wie Zahnärzte zusätzliche lebenslange Einkommen aufbauen können, darüber spricht Christian mit Marcus Tausend, Geschäftsführer der Tausend Finanz GmbH und spezialisiert auf die Ruhestandsplanung von Zahnärzten und Ärzten.
Christian:
Marcus, aktuell wird viel über das Versorgungswerk der Zahnärzte diskutiert. Warum beschäftigt das Thema plötzlich so viele Praxisinhaber?
Marcus:
Weil vielen Zahnärzten erstmals bewusst wird, dass auch ein Versorgungswerk keine Garantie für unveränderte Leistungen bietet.
Über Jahrzehnte galt das Versorgungswerk als die zentrale Säule der Altersvorsorge. Die aktuelle Diskussion zeigt aber, dass wirtschaftliche Entwicklungen, Kapitalmarkt-Risiken oder rechtliche Auseinandersetzungen durchaus Auswirkungen auf Rentenhöhen und Beiträge haben können.
Das bedeutet nicht, dass Versorgungswerke grundsätzlich schlecht sind. Es bedeutet lediglich, dass man seine Altersvorsorge nicht auf nur eine Karte setzen sollte.
Christian:
Viele Zahnärzte zahlen bereits erhebliche Beiträge in ihr Versorgungswerk ein. Warum reicht das aus Deiner Sicht oft nicht aus?
Marcus:
Weil die meisten Zahnärzte ihre Altersvorsorge nicht an ihrem Vermögen messen sollten, sondern an ihrem späteren Einkommen im Verhältnis zu den eigenen Einnahmen.
Viele Praxisinhaber haben während ihres Berufslebens ein gutes Einkommen. Im Ruhestand fällt der Praxisgewinn jedoch komplett weg. Dann bleibt nur noch das, was Versorgungswerk, Kapitalanlagen und sonstige Vorsorgebausteine tatsächlich auszahlen.
Dazu kommt die Inflation. Eine prognostizierte Rente von heute 4.000 oder 5.000 Euro klingt zunächst attraktiv. Die entscheidende Frage ist aber, welche Kaufkraft dieser Betrag in 20 oder 30 Jahren noch hat. Deshalb ist es so wichtig, sich ein zusätzliches Lebenslanges Einkommen aufzubauen.
Christian:
Warum legst Du darauf so viel Wert?
Marcus:
Weil viele Menschen beim Thema Altersvorsorge sehr oft ausschließlich auf Kapital schauen.
Ein Wertpapierdepot mit 500.000 Euro oder sogar einer Million Euro sieht beeindruckend aus. Die eigentliche Frage lautet aber: Wie wird daraus später ein verlässliches Einkommen? Viele Zahnärzte unterschätzen das sogenannte Langlebigkeitsrisiko. Niemand weiß heute, ob er 80, 90 oder 100 Jahre alt wird. Wer ausschließlich von Kapitalentnahmen lebt, muss sein Vermögen entsprechend planen.
Lebenslange Renten können dieses Risiko reduzieren, weil die Zahlung unabhängig von der tatsächlichen Lebenserwartung erfolgt.
Christian:
Bedeutet das, dass Du Wertpapierdepots kritisch siehst?
Marcus:
Ganz im Gegenteil. Ein Depot gehört für viele Zahnärzte zu den wichtigsten Bausteinen des Vermögensaufbaus. Ich halte es sogar für nicht ausreichend, ausschließlich auf Versicherungen zu setzen.
Entscheidend ist die richtige Kombination der Bausteine. Ein Depot kann hervorragend Vermögen aufbauen. Die Frage ist dann, ob später alles entnommen wird oder ob ein Teil genutzt wird, um zusätzliche lebenslange Einkommen zu schaffen.
Es geht also nicht um „Depot oder Versicherung“, sondern um ein sinnvolles Zusammenspiel verschiedener Bausteine.
Christian:
Welche Möglichkeiten haben Zahnärzte konkret, um Versorgungslücken zu schließen?
Marcus:
Zunächst sollte man überhaupt feststellen, ob eine Versorgungslücke vorhanden ist. Dazu gehören die Prognosen des Versorgungswerks, bestehende Altersvorsorge-Verträge, Immobilien, Wertpapierdepots und natürlich die geplante Praxisabgabe.
Anschließend kann geprüft werden, welche Instrumente sinnvoll sind. Das können beispielsweise sein:
- zusätzliche Einzahlungen in eine Basisrente,
- fondsgebundene Renten-Versicherungen,
- ETF-Depots,
- Immobilieninvestitionen,
- betriebliche Altersversorgung bei angestellten Zahnärzten.
Die richtige Lösung hängt immer von der individuellen Situation ab.
Christian:
Gibt es hier auch steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, die für Zahnärzte interessant sein können?
Marcus:
Ja, insbesondere für Zahnärzte, die ohnehin Vermögen für ihren Ruhestand aufbauen möchten oder müssen.
Viele kennen die klassische Situation: Man spart über Jahrzehnte Kapital in einer privaten Altersvorsorge an und erhält später entweder eine Rente oder eine Kapitalauszahlung. Die Kapitalauszahlung ist dabei in der Regel zumindest teilweise steuerpflichtig.
Es gibt jedoch Gestaltungsmöglichkeiten, bei denen die Leistung unter bestimmten Voraussetzungen einkommensteuerfrei ausgezahlt werden kann.
Christian:
Wie funktioniert das?
Marcus:
Der Vertrag wird dabei nicht auf die eigene Person als versicherte Person abgeschlossen, sondern auf eine Person, die idealerweise 20 bis 25 Jahre älter ist, beispielsweise ein Elternteil. Der Zahnarzt bleibt dabei Versicherungsnehmer, Beitragszahler und Bezugsberechtigter.
Verstirbt die versicherte Person, erhält der Versicherungsnehmer die Todesfallleistung. Diese Todesfallleistung ist nach der aktuellen steuerlichen Rechtslage einkommensteuerfrei.
Christian:
Das klingt zunächst eher nach Nachlassplanung als nach Altersvorsorge.
Marcus:
Genau das denken viele zunächst. Tatsächlich kann die Gestaltung aber sehr gut für die eigene Ruhestandsplanung genutzt werden. Wir nutzen es auch für unsere „Erben und Schenken“-Beratung bei unseren Kunden.
Im Idealfall wird der Vertrag beispielsweise abgeschlossen, wenn der Zahnarzt 30 Jahre alt ist und ein Elternteil mit 55 Jahren als versicherte Person eingesetzt wird. Tritt der Leistungsfall etwa 35 Jahre später ein, erhält der inzwischen 65-jährige Zahnarzt die steuerfreie Todesfallleistung genau zu dem Zeitpunkt, an dem viele Kollegen ihren Ruhestand planen.
Christian:
Und wenn der Leistungsfall früher oder später eintritt?
Marcus:
Dann bestehen verschiedene Möglichkeiten. Erfolgt die Auszahlung deutlich vor dem Ruhestand, kann das Kapital beispielsweise bis zum Renteneintritt weiter investiert werden. Erfolgt der Leistungsfall erst in einem sehr hohen Alter der versicherten Person, kann der Kunde zwischenzeitlich auf das Kapital zugreifen oder bei Whole-Life-Tarifen die Laufzeit weiter verlängern. Dadurch bleibt die Gestaltung sehr flexibel.
Christian:
Für wen eignet sich dieses Modell besonders?
Marcus:
Vor allem für Zahnärzte, die ohnehin Vermögen für den Ruhestand aufbauen möchten und dabei neben Rendite und Flexibilität auch steuerliche Aspekte berücksichtigen wollen.
Gerade vor dem Hintergrund möglicher Rentenkürzungen oder steigender Beiträge im Versorgungswerk suchen viele Kollegen nach zusätzlichen Einkommensquellen für den Ruhestand. Eine steuerfreie Todesfallleistung kann dabei ein interessanter Baustein innerhalb eines langfristigen Vorsorgekonzepts sein. Dabei sollte jedoch immer geprüft werden, ob die Gestaltung zur persönlichen, familiären und steuerlichen Situation passt.
Christian:
Gibt es bestimmte Altersgruppen, für die das Thema besonders relevant ist?
Marcus:
Eigentlich für jede.
Ein 35-jähriger Zahnarzt hat vor allem Zeit als Verbündeten. Schon vergleichsweise kleine monatliche Beträge können über Jahrzehnte erhebliche Vermögen entstehen lassen. Mit 45 Jahren sollte die spätere Ruhestandsplanung deutlich konkreter werden. Dann lassen sich mögliche Versorgungslücken meist noch gut schließen.
Ab Mitte 50 verschiebt sich der Fokus häufig vom Vermögensaufbau hin zur Frage, wie das vorhandene Vermögen später möglichst effizient genutzt werden kann.
Christian:
Welche Fehler beobachtest Du in der Praxis besonders häufig?
Marcus:
Der häufigste Fehler ist das Aufschieben. Viele Zahnärzte kümmern sich hervorragend um ihre Patienten, ihre Praxis und ihre Mitarbeiter. Die eigene Ruhestandsplanung wird dagegen oft auf später verschoben. Dabei ist der Zinseszins-Effekt derRenditebringer.
Der zweite Fehler besteht darin, sich auf einen einzigen Baustein zu verlassen. Wer ausschließlich auf das Versorgungswerk oder ausschließlich auf Immobilien setzt, macht sich unnötig abhängig.
Und der dritte Fehler: Viele Menschen planen Vermögen, aber kein Einkommen.
Christian:
Wenn ein Zahnarzt nach diesem Interview aktiv werden möchte: Was sollte sein erster Schritt sein?
Marcus:
Zunächst sollte er sich einen vollständigen Überblick verschaffen.
Viele wissen erstaunlich genau, wie hoch ihr Praxisumsatz ist. Aber nur wenige können spontan beantworten, welches lebenslange Einkommen ihnen im Ruhestand tatsächlich zur Verfügung stehen wird. Genau dort beginnt die Planung. Erst wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen, lässt sich beurteilen, ob Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen sinnvoll sind.
Christian:
Dein Fazit?
Marcus:
Das Versorgungswerk bleibt für die meisten Zahnärzte ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein der Altersvorsorge. Trotzdem sollte niemand seine gesamte Ruhestandsplanung davon abhängig machen. Wer frühzeitig zusätzliche lebenslange Einkommensquellen aufbaut, schafft sich mehr finanzielle Sicherheit, mehr Flexibilität und mehr Freiheit im Ruhestand.
Christian:
Ich danke dir für das Gespräch, lieber Marcus.
Kontaktdaten:
Marcus Tausend
Geschäftsführer der Tausend Finanz GmbH
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info@tausend-finanz.de