In diesem Interview spricht Christian mit Frank über ein Thema, das in vielen Arzt- und Zahnarztpraxen im Alltag zwar ständig mitschwingt, aber selten offen genug betrachtet wird: planbare Liquidität.
Frank beschäftigt sich mit Abrechnung, Zahlungseingängen, Forderungsmanagement und Factoringlösungen im Gesundheitswesen. Gemeinsam schauen sie darauf, warum professionelle Prozesse in diesem Bereich nicht nur die Verwaltung entlasten, sondern auch Praxisinhaberinnen und Praxisinhabern mehr Sicherheit, Klarheit und unternehmerischen Spielraum geben können.
Christian:
Frank, viele Praxen leisten medizinisch vor, müssen aber oft Wochen oder sogar Monate auf ihr Honorar warten. Warum ist planbare Liquidität für Arzt- und Zahnarztpraxen heute so wichtig?
Frank:
Planbare Liquidität ist für Praxen heute kein nettes Extra mehr, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Die Leistung wird sofort erbracht, der Zahlungseingang kommt aber – wie du sagst – häufig deutlich später. Gleichzeitig steigen die Kosten, zum Beispiel für Personal, Material, Energie, Technik und Investitionen.
Wenn eine Praxis weiß, wann Geld eingeht, kann sie ganz anders planen. Das betrifft den normalen Praxisalltag, aber auch Wachstum, neue Geräte, Digitalisierung oder Personalentscheidungen. Ohne planbare Liquidität kann eine Praxis medizinisch sehr gut aufgestellt sein und trotzdem unternehmerisch eingeschränkt handeln.
Christian:
Was passiert denn konkret, wenn offene Rechnungen zu lange liegen bleiben oder am Ende gar nicht bezahlt werden?
Frank:
Dann wird aus einem scheinbaren Buchhaltungsthema sehr schnell ein unternehmerisches Risiko. Offene Rechnungen belasten den Cashflow. Die Praxis hat gearbeitet, aber das Geld steht noch nicht zur Verfügung. Das kann zu Engpässen führen, obwohl eigentlich genug Leistung erbracht wurde.
Dazu kommt der organisatorische Aufwand. Rechnungen müssen geprüft, erinnert, gemahnt und nachverfolgt werden. Das bindet Zeit im Team, sorgt für Rückfragen und manchmal auch für unangenehme Gespräche mit Patientinnen und Patienten. Je länger Forderungen offen bleiben, desto stärker wächst der Druck auf Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber. Nicht bezahlte Leistungen sind wirtschaftlich gesehen eben nicht wirklich erbracht.
Christian:
Viele Honorarverluste fallen im Alltag gar nicht sofort auf. Wo entstehen solche Verluste typischerweise?
Frank:
Meistens nicht durch den einen großen Fehler, sondern durch viele kleine Ungenauigkeiten. Leistungen werden nicht vollständig dokumentiert oder nicht korrekt abgerechnet. Steigerungssätze werden nicht genutzt. Formale Fehler führen zu Kürzungen. Kürzungen werden nicht konsequent nachbearbeitet.
Dazu kommen stille Verluste im Mahnwesen. Wenn man bestimmte Beträge irgendwann nicht mehr verfolgt, weil der Aufwand zu hoch erscheint, summiert sich das über die Zeit. Auch Erfahrungswissen spielt eine Rolle. Wenn die Abrechnung sehr stark an einzelnen Personen hängt, wird es schwierig, sobald diese Person ausfällt oder überlastet ist. Ohne gutes Controlling bleiben solche Verluste lange unsichtbar.
Christian:
Gerade bei hochwertigen Behandlungen ist die finanzielle Seite für Patientinnen und Patienten oft ein Thema. Welche Rolle spielen Teilzahlung und flexible Zahlungsziele?
Frank:
Eine sehr große. Teilzahlung und flexible Zahlungsziele können den Unterschied machen, ob eine hochwertige Behandlung angenommen wird oder nicht. Viele Patientinnen und Patienten möchten die medizinisch sinnvolle Versorgung, müssen die Kosten aber in ihren Alltag integrieren können.
Wenn eine Praxis hier gute Lösungen anbieten kann, sinkt die finanzielle Hemmschwelle. Das nimmt Druck aus der Entscheidung. Gleichzeitig kann es dazu führen, dass Patientinnen und Patienten sich früher für eine Behandlung entscheiden oder sich für eine umfassendere Versorgung öffnen, wenn diese medizinisch sinnvoll ist. Wichtig ist, dass das professionell und transparent umgesetzt wird. Dann ist Teilzahlung kein reines Serviceangebot, sondern ein echter Hebel für bessere Planung, bessere Akzeptanz und eine entspanntere Kommunikation.
Christian:
Du sprichst Kommunikation an. Wie wichtig ist professionelle Patientenkommunikation nach der Behandlung?
Frank:
Sehr wichtig. Viele Praxen denken bei Qualität vor allem an die Behandlung selbst. Aber für Patientinnen und Patienten endet die Wahrnehmung nicht im Behandlungszimmer. Gerade nach der Behandlung geht es weiter. Rechnung, Zahlungsmodalitäten, Rückfragen, Erinnerungen oder Mahnungen prägen das Gesamterlebnis mit.
Wenn diese Kommunikation freundlich, klar und professionell läuft, schützt das auch die Beziehung zwischen Praxis und Patient. Wenn sie dagegen unklar, hart oder unpersönlich wirkt, kann eine eigentlich gute Behandlung im Nachhinein negativ wahrgenommen werden. Hier liegt viel Potenzial, weil gute Abwicklung Vertrauen schafft.
Christian:
Was verändert sich für Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber, wenn Abrechnung, Zahlungseingänge und Forderungsmanagement nicht mehr ständig im Hinterkopf mitlaufen?
Frank:
Es entsteht mehr Ruhe und mehr unternehmerische Klarheit. Viele Inhaberinnen und Inhaber tragen diese Themen permanent mit sich herum. Sind die Rechnungen raus? Was ist offen? Wer zahlt nicht? Wann kommt Liquidität rein? Das kostet Aufmerksamkeit, auch wenn man gerade ganz andere Aufgaben hat.
Wenn diese Prozesse professionell organisiert sind, entsteht Zeit für das Wesentliche. Die Praxisleitung kann sich stärker auf Patienten, Team, Strategie und Entwicklung konzentrieren. Es geht also nicht nur um Entlastung in der Verwaltung, sondern um eine andere Art der Praxisführung. Weg vom operativen Druck, hin zu mehr Steuerung.
Christian:
Manche Praxisinhaber sind beim Thema Factoring skeptisch. Was würdest du ihnen sagen?
Frank:
Erst einmal: Skepsis ist völlig normal und auch berechtigt. Es geht um einen sensiblen Bereich der Praxis, nämlich um Geld, Patienten und interne Prozesse. Deshalb würde ich auch niemanden überreden wollen. Ich würde eher sagen: Sie müssen Factoring nicht mögen, aber Sie sollten es verstehen.
Oft beruht Skepsis auf falschen Vorstellungen. Manche denken sofort an Kontrollverlust oder an harte Kommunikation gegenüber Patienten. Modernes Factoring, gerade im Gesundheitsbereich, ist aber deutlich differenzierter. Es geht nicht nur um Kosten, sondern um Wirkung. Welche Risiken habe ich heute schon? Wie viel Zeit bindet mein aktueller Prozess? Wie planbar ist meine Liquidität wirklich?
Factoring ist kein Muss. Aber für viele Praxen ist es eine sehr effektive Möglichkeit, bestehende Risiken bewusst zu steuern und gleichzeitig Verwaltung zu entlasten.
Christian:
Für welche Praxen lohnt sich Factoring besonders?
Frank:
Besonders interessant ist Factoring für Praxen, die wachsen, investieren oder einen hohen Anteil an Privat- und Selbstzahlerleistungen haben. Auch Neugründungen, Praxisübernahmen oder Praxen mit hoher Verwaltungsbelastung sollten das Thema prüfen.
Spannend wird es immer dann, wenn Liquidität schwer planbar wird, Zahlungsausfälle zunehmen oder das Team zu viel Zeit mit Rechnungen, Zahlungseingängen und Mahnwesen verbringt. Auch bei strukturellen Veränderungen, zum Beispiel Wachstum, neuen Behandlungsschwerpunkten oder größerem Investitionsbedarf, kann Factoring helfen, die Praxis stabiler zu steuern.
Es ist also nicht nur eine Lösung für Praxen mit Problemen. Häufig ist es eher ein strategisches Instrument für Praxen, die professioneller und planbarer arbeiten möchten.
Christian:
BFS health finance beschreibt sich als „mehr als Factoring“. Was unterscheidet BFS aus deiner Sicht von einem klassischen Factoringanbieter?
Frank:
Der Unterschied liegt vor allem in der Spezialisierung und im Leistungsumfang. Ein klassischer Factoringanbieter konzentriert sich meist auf die Vorfinanzierung von Forderungen, die Risikoübernahme und standardisierte Prozesse. BFS health finance geht deutlich weiter.
BFS ist auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert und kennt die Besonderheiten von Arzt- und Zahnarztpraxen. Dazu gehören GOÄ, GOZ, EBM, Kostenerstattung, Patientenkommunikation und die sensiblen Abläufe im Praxisalltag. Dadurch ist BFS nicht nur Finanzierer, sondern Prozesspartner.
Je nach Modell geht es auch um Abrechnungsunterstützung, Bonitätsprüfung, patientenfreundliches Forderungsmanagement, Servicecenter und betriebswirtschaftliche Auswertungen. Der Mehrwert liegt also nicht allein in schneller Liquidität, sondern auch in Entlastung, Struktur und besseren Entscheidungsgrundlagen.
Wichtig ist außerdem der patientenorientierte Ansatz. Zahlungspläne, Ratenzahlung und eine diskrete Kommunikation können dazu beitragen, dass die Arzt-Patienten-Beziehung geschützt bleibt. Genau das unterscheidet spezialisierte Anbieter im Gesundheitswesen von sehr allgemeinen Lösungen.
Christian:
Wenn du es auf den Punkt bringen müsstest: Was sollten Praxen beim Thema Factoring mitnehmen?
Frank:
Praxen sollten Factoring nicht nur als Finanzprodukt betrachten. Es geht um planbare Liquidität, weniger Verwaltungsdruck, professionellere Prozesse und mehr Sicherheit in der Praxisführung.
Für viele Arzt- und Zahnarztpraxen ist das Thema nicht erst dann relevant, wenn ein Problem entsteht. Es kann ein sinnvoller Schritt sein, um Wachstum, Investitionen und den Praxisalltag besser zu steuern. Entscheidend ist, den passenden Partner zu wählen, der die Besonderheiten des Gesundheitsmarktes versteht und die Patientenkommunikation sensibel behandelt.
Christian:
Danke für das sehr informative Gespräch, lieber Frank.
Kontaktdaten:
Frank Manzius
Finanzberater bei BFS health finance GmbH
Tel.: 0173 – 2516050
frank.manzius@meinebfs.de