Langfristig gute Mitarbeitende zu halten, ist nicht immer einfach. Viele Arbeitnehmer achten neben dem Gehalt auch auf die weiteren Benefits, die Unternehmen bieten. Im heutigen Interview spricht Christian mit Laura Campisi, Regional Managerin bei der tecis Finanzberatung, zum Thema bAV und bKV, die durchaus einen Anreiz für Mitarbeitende darstellen können.
Christian:
Warum ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ein gutes Instrument für Unternehmen und Mitarbeitende?
Laura:
Die betriebliche Altersvorsorge ist für Unternehmen und Mitarbeitende ein sehr wirkungsvolles Instrument, weil beide Seiten profitieren. Für Mitarbeitende bietet sie die Möglichkeit, frühzeitig und steuerlich begünstigt Vermögen für das Alter aufzubauen. Gerade in Zeiten, in denen das gesetzliche Rentenniveau sinkt, schafft die bAV zusätzliche finanzielle Sicherheit. Viele Arbeitgeber leisten zudem Zuschüsse oder übernehmen einen Teil der Beiträge – das ist im Grunde zusätzliches Geld für die Altersvorsorge.
Für Unternehmen ist die bAV ein wichtiger Bestandteil einer modernen Arbeitgeberstrategie. Sie stärkt die Mitarbeiterbindung, erhöht die Attraktivität im Wettbewerb um Fachkräfte und zeigt, dass das Unternehmen langfristig Verantwortung übernimmt. Gerade in einem angespannten Arbeitsmarkt kann eine gute bAV ein entscheidender Vorteil bei der Gewinnung und Bindung von Talenten sein.
Christian:
Warum ist die bAV auch für junge Mitarbeitende sinnvoll, obwohl sich viele anfangs wenig dafür interessieren?
Laura:
Auch für junge Mitarbeitende ist die bAV besonders sinnvoll – selbst wenn das Thema Altersvorsorge am Anfang oft noch weit weg erscheint. Der größte Vorteil ist der Faktor Zeit: Wer früh beginnt, profitiert über Jahrzehnte vom Zinseszinseffekt und kann bereits mit kleinen Beiträgen ein solides Vorsorgepolster aufbauen. Außerdem fällt der finanzielle Aufwand in jungen Jahren meist weniger ins Gewicht, weil die Beiträge direkt aus dem Bruttogehalt erfolgen und dadurch Steuern sowie Sozialabgaben gespart werden.
Hinzu kommt: Junge Generationen wünschen sich zunehmend finanzielle Sicherheit und planbare Zukunftsperspektiven. Die bAV kann dabei helfen, früh ein Bewusstsein für finanzielle Vorsorge zu schaffen und langfristig unabhängiger zu werden. Deshalb ist es wichtig, das Thema verständlich, transparent und lebensnah zu vermitteln – nicht als Pflichtprogramm für später, sondern als echten Mehrwert schon heute.
Christian:
Was passiert mit der bAV, wenn ein Arbeitnehmer das Unternehmen wechselt? Muss ein Arbeitgeber dann viele verschiedene Verträge verwalten?
Laura:
Das ist eine der häufigsten Fragen von Unternehmen – und die gute Nachricht ist: In der Praxis ist das meist deutlich einfacher, als viele denken. Grundsätzlich gehört der Vertrag zur Mitarbeitendenperson. Wenn jemand das Unternehmen verlässt, kann die bestehende betriebliche Altersvorsorge häufig zum neuen Arbeitgeber mitgenommen oder privat weitergeführt werden. Umgekehrt können neue Mitarbeitende oft ihre bestehende bAV mitbringen.
Natürlich kann es dadurch vorkommen, dass unterschiedliche Versicherer oder Vertragsmodelle im Unternehmen vorhanden sind. Moderne Verwaltungsprozesse und digitale Lösungen machen das heute aber gut handhabbar. Viele Unternehmen entscheiden sich zusätzlich für einen bevorzugten Versorgungspartner oder ein standardisiertes Konzept, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten.
Wichtig ist: Die Vielfalt der Verträge ist meist kein echtes Problem, sondern eher Ausdruck der individuellen Vorsorgehistorie der Mitarbeitenden. Entscheidend sind eine gute Beratung und eine saubere Administration.
Christian:
Was sind typische Leistungen in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV), die Mitarbeitende besonders attraktiv finden und die wirklich binden?
Laura:
Bei der betrieblichen Krankenversicherung kommen besonders Leistungen gut an, die im Alltag direkt spürbar sind. Dazu gehören zum Beispiel:
- Zuschüsse für Zahnbehandlungen und professionelle Zahnreinigung
- Leistungen für Brillen und Sehhilfen
- Schnellere Facharzttermine oder bessere Vorsorgeuntersuchungen
- Zuschüsse für Physiotherapie oder alternative Heilmethoden
- Krankenhausleistungen wie Chefarztbehandlung oder Einbettzimmer
- Gesundheitsbudgets, die flexibel genutzt werden können
Der große Vorteil der bKV ist: Mitarbeitende erleben den Nutzen oft unmittelbar – anders als bei der Altersvorsorge, die stärker auf die Zukunft ausgerichtet ist. Dadurch entsteht eine hohe emotionale Wertschätzung gegenüber dem Arbeitgeber.
Gerade in kleineren Unternehmen oder Praxen kann eine bKV ein starkes Signal sein: „Wir kümmern uns um die Gesundheit unserer Mitarbeitenden.“ Das stärkt Bindung, Motivation und Arbeitgeberattraktivität enorm.
Christian:
Lässt sich die bKV oder bAV mit dem Sachbezug kombinieren – und macht das Sinn?
Laura:
Ja, das lässt sich sehr gut kombinieren und wird in der Praxis immer häufiger genutzt. Der steuerfreie Sachbezug bietet Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeitenden zusätzliche Leistungen zukommen zu lassen, ohne dass hohe Lohnnebenkosten entstehen.
Beispielsweise kann ein Unternehmen:
- eine bKV finanzieren,
- zusätzlich einen Sachbezug wie eine Gutscheinkarte oder Mobilitätslösung anbieten,
- und parallel eine arbeitgeberunterstützte bAV etablieren.
Das ergibt ein modernes Gesamtpaket aus Gesundheitsvorsorge, finanzieller Sicherheit und unmittelbaren Benefits.
Der Vorteil für Unternehmen: Oft sind diese Modelle steuerlich attraktiver als klassische Gehaltserhöhungen. Gleichzeitig kommt bei den Mitarbeitenden netto häufig mehr an.
Die Kosten hängen stark vom gewünschten Leistungsumfang ab. Eine bKV gibt es je nach Tarif teilweise schon ab etwa 10 bis 20 Euro pro Mitarbeitendem im Monat, umfangreichere Gesundheitsbudgets entsprechend höher. Sachbezugslösungen bewegen sich meist bis zur steuerfreien Grenze. Viele Unternehmen stellen dabei fest, dass sie mit überschaubarem Budget eine deutlich höhere Wertschätzung erzielen als mit einer reinen Gehaltserhöhung.
Christian:
Hast du einen letzten Schlusssatz für mich?
Laura:
Gerne. Moderne Benefits wie bAV, bKV und Sachbezug sind heute wichtige Instrumente, um Mitarbeitende langfristig zu gewinnen und zu binden – und somit ein Gewinn für beide Seiten.
Christian:
Ich danke dir für das aufschlussreiche Gespräch, liebe Laura.
Kontaktdaten:
Laura Campisi
Regional Managerin, tecis Finanzberatung
0173/7269250
laura.campisi@tecis.de
www.tecis.de